Sachverständigenverfahren bei der Versicherung: Was es ist und wie es läuft
Wenn Versicherungsnehmer und Versicherer über die Schadenshöhe uneinig sind, kann das Sachverständigenverfahren eingesetzt werden. Was das ist, wie es abläuft und was das Gutachten bedeutet.
Was ist das Sachverständigenverfahren?
Das Sachverständigenverfahren ist ein vertraglich vereinbartes Schiedsgutachten-Verfahren. Wenn Versicherungsnehmer und Versicherer über die Höhe des Schadens oder den Fahrzeugwert uneinig sind, wird ein unabhängiger Sachverständiger eingesetzt. Das Verfahren ist in den AKB geregelt.
Wer kann das Verfahren einleiten?
Sowohl der Versicherungsnehmer als auch der Versicherer kann das Sachverständigenverfahren beantragen. Es ist freiwillig — beide Seiten müssen nicht zustimmen, aber es ist eine effektive Alternative zur Klage.
Ablauf des Verfahrens
Kosten des Verfahrens
Die Kosten trägt grundsätzlich die Partei, die das Verfahren beantragt hat — oder sie werden nach dem Ausgang aufgeteilt. Wenn das Sachverständigen-Ergebnis erheblich von der Versicherungseinschätzung abweicht, kann der Versicherer die Kosten tragen.
Bindungswirkung
Das Sachverständigen-Gutachten ist verbindlich für beide Parteien — solange kein offensichtlicher Fehler oder Parteilichkeit vorliegt. Das Verfahren ist schneller und günstiger als ein Zivilrechtsstreit.
Eigenen Sachverständigen finden: Worauf achten?
Wählen Sie einen zertifizierten und unabhängigen Kfz-Sachverständigen — am besten einen der beim DEKRA, GTÜ oder TÜV anerkannt ist. Verzichten Sie auf 'versicherungsnahe' Sachverständige, die regelmäßig für denselben Versicherer arbeiten, da deren Unabhängigkeit eingeschränkt sein kann. Ein guter Sachverständiger gibt eine schriftliche Erklärung über seine Unabhängigkeit ab. Prüfen Sie auch seine Erfahrung im spezifischen Bereich: Ein Sachverständiger für Pkw-Schäden ist nicht automatisch kompetent für Oldtimer oder Nutzfahrzeuge.
Sachverständigenverfahren vs. Klage: Ein Vergleich
Das Sachverständigenverfahren bietet gegenüber einer Klage mehrere Vorteile: Es dauert in der Regel nur wenige Wochen bis Monate statt jahrelanger Gerichtsprozesse. Die Kosten sind deutlich geringer als Anwalts- und Gerichtskosten in einem Zivilverfahren. Das Ergebnis ist verbindlich, ohne dass ein Richter entscheiden muss. Der Nachteil: Das Verfahren klärt nur die Schadenshöhe oder den Fahrzeugwert — nicht die Schuldfrage oder komplexe Rechtsfragen. Für letzteres ist weiterhin ein Gericht zuständig.
Sachverständigenverfahren: Kosten und Ablauf
Im Sachverständigenverfahren wählt jede Partei einen eigenen Sachverständigen, und bei Uneinigkeit einigen sich beide Sachverständigen auf einen Obmann. Die Kosten werden in der Regel zwischen den Parteien geteilt. Das Verfahren dauert typischerweise vier bis acht Wochen. Der Vorteil gegenüber einem Gerichtsverfahren: schneller, günstiger und ohne Prozesskostenrisiko. Nutzen Sie das Sachverständigenverfahren, wenn die Schadenshöhe der einzige Streitpunkt ist — und wählen Sie Ihren Sachverständigen sorgfältig aus einer anerkannten Liste.