Kfz-Versicherung widerrufen: Alle Schritte, Fristen und Folgen

Wer eine Kfz-Versicherung abschließt, hat 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen. Das gilt für online, telefonisch und schriftlich abgeschlossene Verträge. Wie das Verfahren abläuft und worauf Sie achten müssen.

Was ist das Widerrufsrecht bei der Kfz-Versicherung?

Das Widerrufsrecht ist ein gesetzliches Verbraucherrecht (§ 8 VVG), das Ihnen die Möglichkeit gibt, einen Versicherungsvertrag binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem Sie die Vertragsunterlagen und die Widerrufsbelehrung vollständig erhalten haben.

Wann beginnt die 14-Tage-Frist?

Die Widerrufsfrist beginnt, sobald Sie den Versicherungsschein, die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AKB) und die Widerrufsbelehrung vollständig erhalten haben. Hat der Versicherer die Widerrufsbelehrung vergessen oder fehlerhaft formuliert, verlängert sich die Frist auf 12 Monate und 14 Tage. Bewahren Sie die Unterlagen auf, um das Datum des Erhalts nachweisen zu können.

So widerrufen Sie die Kfz-Versicherung

Was passiert nach dem Widerruf?

Nach einem wirksamen Widerruf ist der Vertrag rückwirkend aufgelöst. Der Versicherer muss Ihnen bereits gezahlte Beiträge innerhalb von 30 Tagen zurücküberweisen. Für den Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Widerruf kann der Versicherer jedoch eine anteilige Prämie für den tatsächlich gewährten Versicherungsschutz einbehalten — das ist die sogenannte Nutzungsentschädigung.

Fahrzeugschutz nach dem Widerruf sicherstellen

Ein wichtiger Punkt: Mit dem Widerruf erlischt Ihr Versicherungsschutz. Ein zugelassenes Fahrzeug braucht stets eine gültige Kfz-Haftpflichtversicherung — das ist gesetzliche Pflicht. Haben Sie vor dem Widerruf noch kein neues Versicherungsangebot, gibt es zwei Optionen: sofort einen neuen Vertrag abschließen oder das Fahrzeug bei der Zulassungsstelle abmelden.

Widerruf des alten Vertrags beim Versicherungswechsel

Beim Versicherungswechsel nutzen viele Verbraucher den Widerruf, wenn die reguläre Kündigungsfrist verpasst wurde. Das ist jedoch nur möglich, wenn Sie gerade einen neuen Vertrag abgeschlossen haben und diesen innerhalb der 14-Tage-Frist widerrufen. Den alten Vertrag können Sie per Widerruf nicht mehr rückgängig machen — dafür gilt das Kündigungsrecht.

Unterschied: Widerruf, Kündigung und Anfechtung

Widerruf bei Telefon- und Online-Abschlüssen

Bei Verträgen, die über Telefon oder Internet abgeschlossen wurden (Fernabsatzverträge), gelten besonders starke Verbraucherschutzrechte. Der Versicherer ist verpflichtet, Sie ausdrücklich über das Widerrufsrecht zu informieren. Hat er das nicht oder fehlerhaft getan, verlängert sich die Widerrufsfrist erheblich. Prüfen Sie daher bei Online-Abschlüssen immer, ob eine Widerrufsbelehrung beilag.

Rückzahlung der Beiträge nach dem Widerruf

Der Versicherer muss Ihnen nach einem wirksamen Widerruf die gezahlten Beiträge erstatten — abzüglich der anteiligen Prämie für den bereits genutzten Versicherungsschutz. Haben Sie den Vertrag am 1. Januar abgeschlossen und am 10. Januar widerrufen, kann der Versicherer 10 Tage anteilige Prämie einbehalten. Die Rückzahlung hat innerhalb von 30 Tagen zu erfolgen. Bei Verzug des Versicherers haben Sie Anspruch auf Verzugszinsen.