Versicherung kündigt ohne konkreten Schaden: Wie ist das möglich?
Eine Kündigung durch den Versicherer setzt keinen aktuellen Schaden voraus. Versicherer können auch ordentlich kündigen, die Risikostruktur anpassen oder interne Entscheidungen umsetzen — ohne dass ein konkreter Schadensfall als Auslöser dient.
Ordentliche Kündigung ohne Schaden — ist das möglich?
Ja. Der Versicherer kann den Kfz-Versicherungsvertrag auch ohne aktuellen Schaden ordentlich zum Vertragsablauf kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel einen Monat vor Vertragsende. Im Gegensatz zur Sonderkündigung nach § 92 VVG (die an einen Schaden geknüpft ist) ist die ordentliche Kündigung an keinen besonderen Anlass gebunden. Der Versicherer muss die Kündigung nicht begründen — er kann sie allein aus wirtschaftlichen oder strategischen Überlegungen aussprechen.
Gründe für eine Kündigung ohne aktuellen Schadensfall
Kündigung wegen Risikoprofil — nicht nur Schäden
Versicherer bewerten Kunden nicht nur nach gemeldeten Schäden, sondern auch nach statistischen Risikofaktoren. Wer in einer Regionalklasse mit hohem Schadensaufkommen wohnt, ein Fahrzeug mit hoher Typklasse fährt oder ein bestimmtes Alter hat, kann zum 'unattraktiven Risiko' werden. Diese Einschätzungen führen selten direkt zur Kündigung — aber in Kombination mit einer schlechten Schadenshistorie können sie der ausschlaggebende Faktor sein.
Rechte des Versicherungsnehmers
Bei einer ordentlichen Kündigung haben Sie das Recht, von Ihrem bisherigen Versicherer die Schadensfreiheitsbescheinigung zu erhalten. Sie können außerdem die Schadenshistorie der letzten fünf Jahre anfordern. Wenn Sie vermuten, dass die Kündigung auf falschen Daten basiert, können Sie Auskunft nach DSGVO Art. 15 verlangen und falsche Einträge korrigieren lassen.