Schmerzensgeld nach Kfz-Unfall: Worauf Sie Anspruch haben und wie viel
Bei einem Kfz-Unfall mit Personenschäden steht dem Verletzten Schmerzensgeld zu — zusätzlich zum Ersatz des Sachschadens. Wann der Anspruch besteht, wie hoch das Schmerzensgeld ausfällt und wie man es erfolgreich durchsetzt.
Was ist Schmerzensgeld?
Schmerzensgeld ist ein Ausgleich für immaterielle Schäden — also für körperliche und seelische Beeinträchtigungen durch einen Unfall. Es ist in § 253 BGB geregelt und soll sowohl Ausgleich als auch Genugtuung für den Verletzten leisten.
Voraussetzung: Körperschaden oder Gesundheitsverletzung
Schmerzensgeld setzt eine Verletzung des Körpers oder der Gesundheit voraus. Reine Sachschäden begründen keinen Schmerzensgeldanspruch. Auch psychische Folgeschäden — z. B. eine unfallbedingte Phobie oder PTBS — können Schmerzensgeld begründen, wenn sie nachgewiesen werden.
Wie wird die Höhe berechnet?
Es gibt keine gesetzlich festgelegte Schmerzensgeldtabelle. Gerichte orientieren sich an vergleichbaren Fällen (Schmerzensgeldtabellen wie die von Hacks, Ring & Böhm). Faktoren sind: Schwere der Verletzung, Dauer der Behandlung, Dauerschäden, psychische Beeinträchtigung und Grad des Verschuldens des Unfallverursachers.
Schmerzensgeld beim Haftpflichtversicherer des Unfallgegners fordern
Der Anspruch richtet sich gegen den Unfallverursacher bzw. dessen Kfz-Haftpflichtversicherer. Dieser Versicherer ist zur direkten Zahlung verpflichtet. Fordern Sie Schmerzensgeld schriftlich und fügen Sie alle medizinischen Nachweise, Arztberichte und Belege für die Ausfallzeit bei.
Verjährung: 3 Jahre
Schmerzensgeldansprüche aus Unfällen verjähren in der Regel nach 3 Jahren ab Kenntnis des Schadens und des Verursachers. Handeln Sie nicht zu spät — und sichern Sie sich ärztliche Dokumentation sofort nach dem Unfall.
Schmerzensgeld bei Bagatellverletzungen: Was gilt?
Auch bei kleineren Verletzungen wie einem leichten Schleudertrauma (HWS-Distorsion Grad I) besteht grundsätzlich ein Schmerzensgeldanspruch — sofern eine ärztliche Diagnose vorliegt. In der Praxis zahlen Versicherer bei reinen Bagatellverletzungen ohne Beeinträchtigung des Alltags häufig wenig oder gar nichts. Lassen Sie sich nach dem Unfall immer ärztlich untersuchen und dokumentieren Sie Beschwerden lückenlos. Ein ärztliches Attest mit konkreter Diagnose und Behandlungsdauer ist die Grundlage jedes Schmerzensgeldanspruchs — fehlt es, wird der Anspruch oft abgelehnt oder minimal reguliert.
Schmerzensgeld: Richtwerte und Verhandlungsspielraum
Schmerzensgeld wird in Deutschland nach dem sogenannten Schmerzensgeldkatalog bemessen. Schleudertrauma leichten Grades: 500 bis 1.500 Euro; mittleres Schleudertrauma: 2.000 bis 5.000 Euro; schwere Verletzungen: deutlich höhere Beträge. Die tatsächliche Entschädigungshöhe hängt von der Schwere, Dauer und individuellen Auswirkungen der Verletzung ab. Ein Anwalt mit Erfahrung im Verkehrsunfallrecht kann die realistische Bandbreite für Ihren konkreten Fall einschätzen.